Gemeinsam garteln

Macht Spaß und bringt reiche Ernte

Gemeinschaftsgarten vor AlpenpanoramaGemeinschaftsgärten haben eine lange Tradition, und es gibt sie weltweit. In Gemeinschaftsgärten wächst weit mehr als nur selbst herangezogenes Gemüse, es entsteht – oft ganz nebenbei – eine Gemeinschaft, die fruchtbare Kommunikations- und Integrationsprozesse ermöglicht.

Text: Mag. (FH) Hanspeter Gärtner 

 

In Gemeinschaftsgärten gedeihen Obst- und Gemüsepflanzen, die von einer Gruppe von Menschen betreut werden. Hier spielt aber nicht nur das Gärtnern eine Rolle, sondern auch das gemeinsame Arbeiten und das Mitgestaltenkönnen, die Möglichkeit der Partizipation innerhalb einer Gemeinschaft und letztlich das kommunikative Zusammensein in einem Garten. Für die Beschreibung kollektiver gärtnerischer Tätigkeiten werden verschiedene Begriffe wie Nachbarschaftsgarten, Begegnungsgarten, Interkultureller Garten, Community Garden usw. verwendet – im Wesentlichen geht es immer um die Entwicklung eines gemeinschaftlichen Sinns im gemeinsamen Tun. In thematischen Gärten steht eine bestimmte Zielgruppe im Vordergrund, zum Beispiel ältere Menschen, Kinder, Menschen mit Handicap, Migrantinnen/Migranten und Menschen mit Fluchterfahrung.

Der Garten – Zuwendung, Zeit und Raum

Bepflanzte Beete mit erntenden MenschenSo unterschiedlich Gemeinschaftsgärten hinsichtlich der Mitwirkenden und des Mottos sein können: Sie haben einige grundlegende Gemeinsamkeiten:

  • -         Die Flächen, auf denen Gemeinschaftsgärten errichtet werden, gehören oft öffentlichen Trägern, wie Gemeinden, Kirchen und Stiftungen.
  • -         Die Nutzung der Fläche durch eine Gartengruppe wird meist über einen Vertrag geregelt. In den Gärten gibt es Gemeinschaftsflächen und teilweise auch Einzelparzellen für den individuellen Anbau.
  • -         Soziale, kulturelle und ökologische Diversität sind ein wesentliches Kriterium von Gemeinschaftsgärten. Hier teilen sich Menschen einen Raum, die einander in anderen gesellschaftlichen Bereichen selten begegnen.

Auch die Winterzeit lässt sich aktiv gestalten:

Man kann Wissen in den Bereichen Natur und Umwelt, Ernährung, Gesundheit und Bewegung vermitteln, Marmeladen, Säfte und Naturkosmetik herstellen, richtiges Kompostieren lernen, Ostereier mit Naturfarben färben, einen Gartenchor gründen und gemeinsam singen, eine Kräuterwerkstatt einrichten u.v.m.

Individuelle Weiterentwicklung und Kultivierung des GemeinwohlsHände beim Pflanzen

Gemeinschaftsgärten übernehmen soziale, kulturelle und ökologische Funktionen. Sie können als Versuchsfeld dienen, in dem die Mitwirkenden Schlüsselqualifikationen wie die Fähigkeit zum Engagement, soziale Kompetenz, Respekt, Toleranz und Empathie entwickeln können bzw. beim Erwerb dieser Soft Skills unterstützt werden.

Mit Wissen über Umwelt und Natur können Gemeinschaftsgärten kulturelles Kapital fördern und durch Eigenarbeit und Selbsthilfe ökologische Initiativen anregen. Die Teilhabe an einem Gemeinschaftsgartenprojekt macht Freude und fördert das aktive Miteinander. Gemeinschaftsgärten bedeuten für die Menschen, die daran beteiligt sind, etwas Besonderes. Sie haben damit einen Platz zum Garteln und eine Möglichkeit, dem Alltagstrott zu entkommen, andere Leute kennenzulernen und Selbstversorger im Sinne von "für sich selber sorgen" zu werden. Nicht nur der Einzelne steht im Mittelpunkt. Familien und Kindern kann ein Gemeinschaftsgarten beispielsweise Kinderbeete und Naschgärten bieten, die zu betreuen sind, sowie Beobachtungsstationen für (Boden-) Tiere, die viele Kinder faszinieren. Man kann auch Weidentipis pflanzen, Jausen mit Selbstgepflücktem machen oder Kunstwerke aus Naturmaterialien bauen. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Ankommen, geerdet sein, sich Verwurzeln

Beete mit arbeitenden Menschen und HütteAuch Kooperationen mit Kindergärten, Schulen und anderen Institutionen sind möglich. In einem Gemeinschaftsgarten können Gäste wieder mit der Natur in Kontakt kommen und sich erden. In Gemeinschaftsgärten werden verschiedenste Gemüse, Salate, Kräuter, Erdbeeren, Obststräucher und auch Blumen kultiviert. Beim Säen, Pflanzen, Pflegen, Ernten und Verkosten kommen verschiedenste Menschen miteinander ins Gespräch und lernen voneinander. Durch die Schaffung von Aktions- und Entspannungsräumen im Garten kann man auch das psychosoziale Wohlbefinden der Mitwirkenden und ihrer Gäste fördern.

Gemeinschaftsgärten als

Politische Handlungsräume

Die Belange der Gartenstruktur, des Gartenalltags und des sozialen Miteinanders werden offen und demokratisch verhandelt und vereinbart.

Soziale Handlungsräume

Gemeinschaftsgärten sind Orte des sozialen Miteinanders, der Kommunikation, der gegenseitigen (Nachbarschafts-) Hilfe und des tätigen Wissensaustauschs. Gerade in Städten wird die soziale Bedeutung von Gemeinschaftsgärten deutlich.

Pädagogische Handlungsräume

Ein Garten hält vielerlei Möglichkeiten bereit, Kenntnisse zu erwerben und Erfahrungen mit der Natur zu machen. Die Eigenverantwortung der GärtnerInnen wird gestärkt, die Teilnahme am öffentlichen Leben gefördert.

Ökologische Handlungsräume

In einem Gemeinschaftsgarten wird in einem urbanen Kontext ein ökologisch-verträglicher Alltag praktiziert, der auch Einzug in das Privatleben der beteiligten GärtnerInnen hält. Gärten sind auch Lebensräume für viele Tiere wie Insekten, Würmer und Vögel.

Fotos (c) NFJ Tirol/NF Schwaz in Tirol

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